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“Ich erwarte Anregungen beim Kongress Fabrik des Jahres”

LANDSBERG (gk). Das Siemens-Werk in Amberg, das Niederspannungsschaltgeräte herstellt, hat den Titel „Fabrik des Jahres“ in der Kategorie Komplexitätsmanagement gewonnen. Werksleiter Rudolf Gietl erläutert gegenüber Redakteur Gunnar Knüpffer, was der Kongress am 6./7. März in Nürnberg für ihn bedeutet.
Herr Gietl, was bedeutet die Auszeichnung Fabrik des Jahres in der Rubrik Komplexitätsmanagement für Ihr Werk?

Das ist natürlich ein Imagegewinn und wir sind durchaus stolz darauf. Für unsere Mitarbeiter ist es ein Zeichen: Es lohnt sich an der Leistungsfähigkeit und Performance unseres Werkes zu arbeiten.

Werden Sie mit der Auszeichnung „Fabrik des Jahres” für Ihr Werk werben?

Über die Presse wird die Auszeichnung sowieso publik gemacht. Wir werden dies bei passender Gelegenheit bei Bewerbern, Kunden und Lieferanten darstellen. Wir werden die Auszeichnung auch nutzen, um mit unseren Mitarbeitern ein kleines Fest zu feiern. Dies ist auch ein Zeichen des Dankes an unsere Mitarbeiter für deren hervorragenden Einsatz. Dieser Einsatz macht ja erst einen solchen Preis möglich.

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Wodurch haben Sie die Auszeichnung in der Rubrik Komplexitätsmanagement gewonnen?

Ich denke, wir haben qualifizierte, hoch motivierte Mitarbeiter. Dazu haben wir unsere Prozesse optimiert. Zur Unterstützung haben wir ein sogenanntes Performance-System aufgebaut mit einer Mission, einem Leitbild, einer Vision und vor allem einer Strategie, wie wir die Vision erreichen wollen. Dabei gilt das Motto: Wir Mitarbeiter gestalten und verbessern unser Werk. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenzen und nutzen alle möglichen Methoden, Systeme und Tools. Wir messen uns revolvierend mit Benchmarking - unter anderem durch Teilnahme an diesem Wettbewerb, der ja auch eine Messlatte ist: Wo stehen wir, wo haben wir noch Schwachpunkte und wo können wir uns verbessern? All dies ist ein ständiger Prozess.

Was haben Sie getan, um der Komplexität in Ihrem Werk Herr zu werden?

Wir haben uns erstmal gefragt, welche Produkte für uns die wichtigsten sind. Vor allem, welche Produkte für uns morgen wichtig sind. Dann haben wir analysiert, welche Technologien und Kompetenzen brauchen wir dazu in der Zukunft. Daraufhin haben wir uns strategisch ausgerichtet mit dem Fokus: Was sind unsere Kernkompetenz, Kerntechnologien? Aber auch: Was können andere besser für uns machen?

Welche Management-Tools haben Sie dabei eingesetzt?

Neben den allgemein bekannten Tools wie z.B. TPM, Quality-Management, aus denen wir Elemente entnommen haben, haben wir uns für das ganzheitliche System von Professor Kobayashi „Mit 20 Schlüsseln zum Erfolg“ entschieden. Das beginnt mit Key 1: Arbeit erleichtern durch Ordnung und Sauberkeit. Und es geht bis zum Key 20: Technologie-Know-how fürs Unternehmen sichern und weitertreiben.

Mit welchen Anreizsystemen haben Sie Ihre Mitarbeiter motiviert?

Wir haben ein durchgängiges Zielvereinbarungssystem. Ausgehend von den vorge­gebenen Geschäftszielen, im wesentlichen Ergebnis und Wertsteigerung, werden die Ziele bis auf Mitarbeiter-Ebene in Form von Logistikzielen, Qualitätskennzahlen oder Produktivitätszielen heruntergebrochen. In den Bürobreichen haben wir eine Leistungsbeurteilung, die sich an die Zielverein­ba­rung anlehnt, eingeführt. In der Produktion herrscht überwiegend Gruppenarbeit vor, mit Prämien- oder Bonus-Entlohnung, wo die Leistung der Mitarbeiter direkt am Output des jeweiligen Systems gespiegelt wird.

Was tun Sie konkret zur Weiterbildung Ihre Mitarbeiter?

Wir haben ein eigenes Ausbildungszentrum für die technische Bildung, wo wir unseren Facharbeiternachwuchs selber ausbilden. Dort ist auch das Thema Weiterbildung angesiedelt: Über die Homepage haben z.B. alle Mitarbeiter Zugriff auf eine große Vielfalt an Modulen und Qualifizierungsprogrammen. Das geht los mit „Wie arbeiten wir gut in der Gruppe zusammen“, „Wie führt man Mitarbeitergespräche?“ über „Wie moderiert man Gruppen/Workshops“? bis zu ganz fachspezifischen Themen wie „Wie lötet man ein Bauteil auf einer Flachbaugruppe“. Wir aktualisieren und ermitteln jähr­lich den Qualifizierungsbedarf und stellen im Budget entsprechende Mittel dafür ein.

Können sich andere Firmen Ihr Werk als Vorbild nehmen?

Ich denke, so wie wir das Thema Komplexität in unserem Werk bearbeiten, kann man sich schon einiges davon abschauen. Man sollte jedoch nicht alles Eins zu Eins kopieren, sondern man muss auf seine eigenen Gegebenheiten schauen. Ich glaube, es gibt wenige Firmen und Fabriken in der Welt, die eine vergleichbare Komplexität haben. Wir haben eine hohe Produktvielfalt, wir haben große Unterschiede in der Größe der Produkte und bei den Stückzahlen und bei den erforderlichen Technologien. Das führt natürlich zu unterschiedlichen Strategien und Lösungen. Das heißt, bei den Konzepten gibt es keine eierlegende Wollmilchsau. Man muss sich die Aufgabe anschauen und die passgenaue Lösung dafür entwickeln.

Sie bieten am zweiten Kongresstag eine Werksführung an. Was zeigen Sie den Besuchern dort?

Wir zeigen, wie die Fabrik strukturiert ist, wie die Mitarbeiter in den Prozess eingebunden sind und wie wir die Qualifizierung betreiben. Wir demonstrieren, mit welchen Fertigungskonzepten wir die Komplexität beherrschen, das heißt, wir zeigen die ganze Bandbreite von One-Piece-Flow-Linien bei kleineren Stückzahlen bis hin zu hochmechanisierten Automatenlinien, wo mehre tausend Geräte pro Tag gefertigt werden.

Was erwarten Sie von dem Kongress Fabrik des Jahres/GEO?

Ich erwarte die eine oder andere Anregung mitnehmen zu können, um uns noch weiter verbessern zu können. Ich erwarte keine Quantensprünge: Wir sind ja schon regelmäßiger Teilnehmer bei dem Kongress Fabrik des Jahres/GEO und es sind die kleinen Dinge, die es gilt zu entdecken: Man muss die Augen offen halten und die Themen finden, die uns noch weiterbringen. Und das ist ja unser Ziel: ständig noch besser zu werden.
Anmeldung: 08191/125-872

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