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Sieger-Werke: Härtetest für die Industrie-Elite

Im traditionsreichsten und härtesten Industrie-Benchmark Fabrik des Jahres/GEO von Produktion und A.T. Kearney haben sich Festool und die Fischerwerke durchgesetzt - beste Voraussetzungen für kommende Zeiten harter Bewährung.

Produktion Nr. 42, 2008
von Gunnar Knüpffer

LANDSBERG.  Die frisch gekürten Sieger des Wettbewerbs Fabrik des Jahres/Global Excellence in Operations gehen dem Abschwung gestärkt entgegen. „Um die Sieger muss man sich keine Sorgen machen“, sagt Dr. Günter Jordan, der beim Produktion-Partner A.T. Kearney den traditionsreichsten Benchmarking-Wettbewerb für die deutsche Industrie verantwortet.

 Siegertreppchen
Gewonnen hat den Titel ‚Fabrik des Jahres‘ in diesem Jahr der Werkzeughersteller Festool in Neidlingen. „Dessen Mitarbeiter sind bereit zur ständigen Verbesserung“, sagt Jordan. „Sie suchen rigoros nach der besten Montagemethode, nutzen dabei Videoanalyse und setzen die Methode anschließend auch um.“ So reduzierte Festool die nicht-produktive Zeit in den Montageprozessen und erreichte „hervorragende Qualitätskennzahlen“ bei der Produkt- und bei der Prozessqualität.
Der Titel ‚Global Excellence in Operations‘, bei dem Verbesserungen über die gesamte Wertschöpfungskette bewertet werden, geht an die Fischerwerke, Produkt Center Chemie, in Denzlingen. „Dort hat ein kleines, unternehmerisch geprägtes Team beispielhaft gezeigt, wie durch eine enge Zusammenarbeit von Produktion und Produkt-/Prozessentwicklung ein profitables Geschäft mit einer starken Marktposition aufgebaut und auch gegen größere Wettbewerber verteidigt werden kann“, sagt Dr. Bernd Schmidt, der sich bei A.T. Kearney um die operative Durchführung des Wettbewerbs kümmert. Die Fischerwerke realisierten innovative Ansätze im Verpackungsbereich durch einen eigenen Maschinenbau und erzielten durch ausgeprägte Kunden- und Marktorientierung ein überdurchschnittliches Wachstum.

Vor dem Hintergrund der trüben Konjunkturaussichten gaben in einer Umfrage von Pricewaterhouse Coopers 54 % von rund 100 großen Mittelständlern und großen Aktiengesellschaften an, dass sie voraussichtlich in den nächsten Monaten Prozesse optimieren müssten. Dabei werden die notwendigen Umstrukturierungen nach Ansicht von 61 % der Unternehmen genauso groß oder größer als in früheren Krisen sein. Und 82 % meinen, dass die Unternehmen ihrer Branche in den kommenden 18 Monaten Arbeitsplätze abbauen.
Fit gemacht für diese aufziehende Krise haben sich nach Ansicht der Jury des Wettbewerbs Fabrik des Jahres auch die Kategoriesieger. So überzeugte der Sieger in der Kategorie ‚Hervorragende Standortentwicklung‘, Delphi in Neumarkt, mit Innovationen: „Der Automobilzulieferer erweiterte sein Produktspektrum, so dass es von Steckverbindungen  über Tanksysteme bis hin zu anspruchsvoller Spritzgussfertigung für die Hybridtechnologie in Zukunft geht“, sagt Schmidt.
Das Management des Volkswagen Komponentenwerkes, Braunschweig, erhöhte mit konsequentem Fokus auf die Effizienz die Leistungskennzahlen, so dass das Werk für ‚Hervorragende Großserienfertigung‘ ausgezeichnet wird. Im C-Klasse-Werk von Daimler in Sindelfingen sorgte Werksleiter Professor Eberhard Haller für fehlerfreie Zulieferungen und Technologie-Innovationen z. B. bei Schweißverfahren. Auf diese Weise siegte das Werk in der Kategorie ‚Hervorragendes Qualitätsmanagement‘.

Hervorgetan mit einer ausgezeichneten Prozessbeherrschung hat sich nach Ansicht der Jury der Klebefilm-Hersteller Tesa in Offenburg. Beigetragen hat dazu eine teamorientierte straffe Mitarbeiterführung sowie ein leistungsfähiges IT-gestütztes Fehlermanagement.
Und in der Kategorie ‚Hervorragendes Veränderungsmanagement‘ siegte der Telefongeräte-Produzent Siemens Home & Communication Devices, weil er die Produktivität steigerte, Entwicklung und Produktion vernetzte und ein kontinuierliches Kostenmanagement mit Reduzierung von Werksoverhead-Strukturen führte. Last but not least setzte sich in der Kategorie ‚Hervorragende Produktion in EU-Beitrittsländern‘ das Werk Danfoss A/S im slowenischen Trata durch, das erfolgreich ein Produktionssytem installierte und eine starke Produktivitätssteigerung vorweisen kann.

Zwar müssen sich die Unternehmen, die sich auch durch Benchmarking aktiv dem Wettbewerb stellen, laut Jordan keine Sorgen machen. Dennoch gebe es noch unerschlossene Potenziale beim Planen und Steuern in der Fabrik und in den indirekten Bereichen. Jordan: „Und ohne Produktinnovation hilft die wettbewerbsfähigste Produktionsstruktur nichts.“