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Erfolgsrezept der Sieger-Werke: Gas geben in der Krise

LANDSBERG. Nicht kleckern, sondern klotzen, lautet die Devise vieler Sieger beim Benchmark Fabrik des Jahres/GEO. So will Delphi Neumarkt ein neues Operating System einführen, das höhere Losgrößen ermöglicht, und Festool will sich im zweistelligen Prozentbereich verbessern.

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Von links: Dr. Thorsten Hartmann, Festool; Klaus Fischer, fischerwerke; Johann Lang, Delphi; Aleksander Zalaznik, Danfoss Trata.

von Gunnar Knüpffer

Während 75 % der deutschen Maschinenbau-Unternehmen bereits vom wirtschaftlichen Abschwung betroffen sind, erhöhen viele der Sieger beim Wettbewerb Fabrik des Jahres in der Krise ihre Ziele. „Den Weg der ständigen Verbesserung werden wir in Zukunft noch konsequenter fortsetzen“, sagt Klaus Fischer, der Geschäftsführer der Fischerwerke, deren Product Center Chemie den Preis Global Excellence in Operations gewann. „Und wir werden neue Wege gehen. Nicht nur im Vertrieb, auch in neuen Märkten, überall auf der Welt gibt es noch große Wachstumschancen.“

Etwa drei Viertel der Maschinenbauunternehmen rechnen für die nahe Zukunft mit einer abgekühlten Nachfrage und Auftragsstornierungen, ergab eine Umfrage der Dr. Wüpping Consulting GmbH. Fast 90 % aller Befragten gehen dabei von einer Krise aus, die länger als ein Jahr dauern wird. Erwartet wird ein längerer konjunktureller Abschwung von im Mittel zwei Jahren. Nach Meinung der Befragten wird die Lage zwar als ernst betrachtet, für das eigene Unternehmen werde die Entwicklung aber glimpflich verlaufen. Dieses Hoffnungsprinzip ist aus Sicht von Dr. Wüpping Consulting unangebracht. Die erwarteten Auswirkungen müssten sich deutlicher im Handeln der Verantwortlichen ausdrücken, eine Gesamtkonzeption sei dringend nötig.

Eine derartige Zielrichtung, einen so genannten Nordstern, gibt der Geschäftsführer des Siegers Festool, Dr. Thorsten Hartmann, vor. Er sieht die Wirtschaftskrise als Chance, die Positionierung des Unternehmens zu überdenken: Der Innovationsbereich soll schneller und erfolgreicher werden. Dafür wird Hartmann jedoch nicht mehr Geld für neue Leute ausgeben: Mehr Gehirnschmalz heißt die Lösung.

Die veränderten Rahmenbedingungen helfen Festool, neu über die Prozesse nachzudenken und Verbesserungen nicht in der Größenordnung von 3 % anzustreben, sondern möglicherweise von bis zu 50 %.

Der Sieger in der Kategorie Hervorragende Produktion in EU-Beitrittsländern, Danfoss Trata in Slowenien, will seine Durchlaufzeit um rund 20 % reduzieren. Das Unternehmen plant, die Durchlaufzeit, die trotz hoher Variantenvielfalt und sehr unterschiedlicher Lösgrößen bei nur 6,2 Tagen liegt, auf 5 Tage herunterzusetzen.

„Die aktuelle Krise wird die Wettbewerbslandschaft verändern“, sagt Bernd Schmidt, der bei A.T. Kearney den Wettbewerb durchführt. Es werde Gewinner und Verlierer geben. Zu den Gewinnern würden die Werke gehören, die den Boom genutzt haben, nicht nur größer, sondern auch kontinuierlich besser zu werden. „Einige der Siegerwerke haben auch in besten Zeiten an der Realisierung der Lean-Philosophie gearbeitet oder ihr Werk durch neue Produkte und Prozesse breiter, kompetenter und damit sicherer aufgestellt“, sagt Schmidt. In Zeiten von unsicherem Produktionsvolumen seien vor allem zwei Ansätze wichtig: Fixkosten kontrollieren und durch kontinuierliche Verbesserung Operational Excellence erreichen.

So verdoppelte der Sieger in der Kategorie Hervorragende Standortentwicklung, Delphi in Neumarkt, in den vergangenen elf Jahren die Produktionskapazität und versechsfachte den Umsatz. Im kommenden Jahr wird der Automobilzulieferer eine Fertigung von Hybridprodukten zur Komplettierung von Dieseleinspritzventilen in Nutzfahrzeugmotoren aufbauen, ein Verfahren, das bisher nicht zur Kernkompetenz des Standortes gehört. Zudem planen die Neumarkter, ein neues Operating System einzuführen, das höhere Losgrößen und kürzere Produktionszyklen unterstützt.