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Sieger sparen durch Insourcing

SiegertreppchenLANDSBERG. Mit unterschiedlichen Ansätzen sparen die Sieger bei dem traditionsreichsten Industrie-Benchmark Fabrik des Jahres in der Wirtschaftskrise: Der Automobilzulieferer Delphi senkt die Kosten für seine Dienstleister und Festool holt ausgelagerte Bereiche wieder zurück ins Werk.

von Gunnar Knüpffer

Als den wichtigsten Erfolgsfaktor in der Krise benennen die Sieger bei der Fabrik des Jahres die Prozessverbesserung. So führt der Gesamtsieger des Benchmark, Festool in Neidlingen, beispielsweise kurze intensive Trainings zur Prozessverbesserung durch. Deren Ergebnisse werden unmittelbar umgesetzt, damit sie ihre Wirkung entfalten können, zum Beispiel bezüglich Produktivität, Qualität und Beständen.

Der Sieger in der Kategorie Hervorragendes Veränderungsmanagement, die Gigaset Communications GmbH in Bocholt, arbeitet an der Verkürzung der Durchlaufzeiten. Prozesse und Personalstrukturen werden schlanker. „Durch geschickte Prozess-Steuerung erreichen wir, dass weniger Kapital gebunden ist“, sagt Unternehmenssprecherin Ruth Engels.

Ein zweiter Erfolgsfaktor ist für den Geschäftsführer der Festool GmbH, Dr. Thorsten Hartmann, die Bildung von kleinen, schnellen Teams mit sehr klaren Zielen, Zielzuständen und Feedbackschleifen. „Jetzt sind schnelle und dennoch fundierte Schritte erforderlich, die hohe Wirkung haben bei geringem Aufwand“, sagt Hartmann. Die Teams sorgten gemeinsam mit den Beratern von Festool Engineering bei den Lieferanten für „echte, wirksame und vor allem schnelle Verbesserung“.

Generell raten die Sieger des traditionsreichsten Industrie-Benchmark Firmen in der Krise zu mehr Flexibilität. Gigaset hat sich nach eigenen Angaben durch knappe Lagerhaltung, kurze Bestellzeiten und kurze Lieferzeiten Wettbewerbsvorteile verschafft. Beispielsweise verhielten sich einige Großkunden noch Ende vergangenen Jahres auf Grund negativer Konjunktursignale vorsichtig, warteten ab und orderten erst kürzlich nach. „Wir können liefern, andere Hersteller mit weniger flexiblen Produktionskapazitäten haben es schwerer“, sagt Gigaset-Sprecherin Engels.

„Lange Planungsszenarien werden schneller von der Realität überholt als vielfach gedacht“, ist sich Hartmann sicher. Jetzt seien eher Verhaltensmuster gefragt wie Mut zum Risiko, sehr hohes Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter und auch mal Aushalten, wenn etwas nicht perfekt ist. Es reiche, deutlich besser geworden zu sein. Festool habe diese Dinge schon vor der Krise eingeleitet und könne sie jetzt so richtig ausleben und ausbreiten, sagt der Geschäftsführer.

Um der Krise zu begegnen, betreibt Hartmann zudem ein gezieltes Insourcing. Damit will er die Mitarbeiter halten, den Gedanken des One-Piece-Flow weiterentwickeln und Kosten senken. „Man glaubt es kaum, aber Insourcing kann zu niedrigeren Kosten führen bei gleichzeitig besserer Qualität“, meint Hartmann, „und dies bei vorhandenen Prozessen wie auch bei neuen Prozessen.“ Den gleichen Ansatz hat auch Delphi-Werkleiter Johann Lang. Das Werk, das bei der Fabrik des Jahres in der Kategorie Hervorragende Standortentwicklung gewann, verlagert ausgelagerte Produktionsaufträge wieder zurück.
Kosten senkt Lang auch bei seinen Dienstleistern. So hat er während anberaumter Kurzarbeit die Nachtschicht des Werkschutzes gestrichen und die Reinigungsaktivitäten zurückgefahren. Das funktionierte trotz laufender Verträge, weil das Verständnis der Dienstleister für die gesamtwirtschaftliche Situation vorhanden war.
Langs Angaben zu Folge hat Delphi im Februar dieses Jahres einen Umsatz generiert, der einige Prozentpunkte über dem Forecast liegt; dieser war jedoch auf Grund der Informationen der Automobilkunden mehrfach reduziert worden.

Nachdem Delphi im Februar Kurzarbeit eingeführt und damit Kosten gespart hat, läuft seit vorvergangener Woche auch die dritte Schicht wieder, weil das Unternehmen von dem Erfolg der Abwrackprämie und von verstärkten Auftragseingängen aus Asien profitiert. Und der Werkleiter denkt auch daran, die geringe Zahl an freigestellten Leiharbeitern zurückzuholen. Er hat schon bei deren Arbeitgeber angerufen und gefragt, ob die gut ausgebildeten Kräfte verfügbar sind.