Illustration

Die Sieger beim Wettbewerb Fabrik des Jahres besinnen sich in der Krise auf ihre eigenen Kräfte

Die Hersteller des verarbeitenden Gewerbes sind in den kommenden zwei Jahren vom Rückgang im Auftragseingang betroffen. Die Sieger beim führenden Industrie-Benchmark Fabrik des Jahres von Produktion und A.T. Kearney sind auf diese Situation vorbereitet und setzen jetzt auf ihre eigenen Kräfte.

Die Teilnehmer beim härtesten Industrie-Benchmark Fabrik des Jahres haben sich bereits durch das Ausfüllen des Fragebogens im Detail mit ihren Kennzahlen beschäftigt und festgestellt, wo es im Unternehmen noch hakt. Sie haben in Zeiten der gut laufenden Konjunktur gemerkt, welche Prozesse zu umständlich sind, wo es Verschwendung gibt und wo Bestände reduziert werden können.

Dieses Wissen ist Voraussetzung für die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, um in der aktuellen Wirtschaftskrise bestehen zu können. Denn der Maschinen- und Anlagenbau steht vor einem tiefgreifenden Abschwung.
Dabei sind die einzelnen Bereiche des verarbeitenden Gewerbes unterschiedlich schnell und stark vom Rückgang des Auftragseingangs betroffen. Der Auftragseingang im Bereich Werkzeugmaschinen wird in diesem Jahr nach Angaben des Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) um 15 % zurückgehen. Werkzeugmaschinenhersteller beliefern die gesamte Industrie mit Maschinen für die Metallbearbeitung. Je 30 Prozent des Umsatzes tätigen sie mit der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie mit dem Maschinenbau. Insbesondere das Volumengeschäft mit Standardwerkzeugmaschinen ist durch die weltweite Absatzkrise der Autoindustrie und die großen Strukturprobleme speziell der amerikanischen Automobilfirmen in Mitleidenschaft gezogen. Hier wird laut Carl Martin Welcker, Vorsitzender des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), erst auf mittlere Sicht wieder Produktionstechnik nachgefragt. Diese Absatzkrise gibt es auch in Europa. Hier verfehlte beispielsweise der Pkw-Absatz im Februar mit 968 200 Pkw laut VDA das Vorjahresniveau um 18 Prozent.

Für die Robotik und Automation geht der VDMA 2009 von einem Rückgang des Branchenumsatzes um 6 % auf 8,7 Milliarden Euro aus.

Nach Ansicht von Unternehmensberatungen müssen die Maschinen- und Anlagenbauer jetzt die Materialkosten reduzieren und beispielsweise die Teile standardisieren. Sie sollten die Produktionskosten verringern, indem sie die Produktivität steigern und Prozesse einem Benchmarking unterziehen. Zudem sollten die Unternehmen der Branche ihren Personalstand verringern und schlankere Strukturen mit weniger Hierarchien aufbauen.

All das haben die Sieger bei dem Benchmark Fabrik des Jahres getan, so dass sie nun gut gerüstet der Krise begegnen können, sich auf ihre eigenen Stärken besinnen und sich den veränderten Rahmenbedingungen schnell anpassen können. So führt der Gesamtsieger bei der Fabrik des Jahres, Festool in Neidlingen, jetzt beispielsweise kurze intensive Trainings zur Prozessverbesserung durch. Deren Ergebnisse werden direkt umgesetzt, damit die Produktivität erhöht und die Qualität verbessert wird und Bestände reduziert werden. Zudem holt Festool ausgelagerte Bereiche wieder zurück ins Unternehmen, um die Mitarbeiter zu halten und Kosten zu senken. Dieses Insourcing erhöht laut Aussage von Geschäftsführer Dr. Thorsten Hartmann gleichzeitig die Qualität.

Auch der Sieger in der Kategorie Hervorragende Standortentwicklung, Delphi in Neumarkt, holt herausgegebene Arbeiten zurück. Zudem senkt der Automobilzulieferer seine Kosten durch Kurzarbeit und durch Sparen bei seinen Dienstleistern. Nachdem die Abwrackprämie wirkt und Delphi neue Aufträge aus Asien gewonnen hat, lässt Werkleiter Johann Lang wieder voll arbeiten. Das Volkswagenwerk Braunschweig, Sieger in der Kategorie Hervorragende Großserienfertigung, konnte durch sein flexibles Arbeitssystem die Fertigungskapazität der Nachfrage anpassen. Nach einer verlängerten Weihnachtspause und einer Woche Kurzarbeit im Februar, füllen sich bedingt durch die staatliche Umweltprämie und die Umweltpräme von Volkswagen zurzeit die Programme.

Der Preisträger in der Kategorie Hervorragendes Veränderungsmanagement, Gigaset Communications, konnte in dem wachsenden Markt für DECT-Telefone seinen Marktanteil steigern. Der beträgt nun in Deutschland über 50 %. Und auch die Tesa AG ist sich sicher, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Das Unternehmen hat eine solide finanzielle Basis und setzt derzeit seine Investitionsprojekte konsequent fort, um sich zu diversifizieren. So erwarb Tesa die Labtec GmbH, um das Geschäft mit arzneimittelhaltigen Pflastern voranzutreiben. Aktuell errichtet Tesa im Werk Hamburg eine neue Produktionsanlage mit Reinraumtechnologie für den Ausbau des Geschäfts mit der Elektronikindustrie und im Gesundheitsmarkt.

Der Sieger des Awards Global Excellence in Operations, die Fischerwerke in Denzlingen, sichert sich in der Wirtschaftskrise seine Flexibilität, indem er auf Basis des Tarifvertrags in weiten Teilen des Unternehmens Beschäftigungssicherung eingeführt hat, und nicht starre Kurzarbeit. Durch die Beschäftigungssicherung kann im Falle einer Großbestellung diese schnell abgearbeitet und eine Zusatzschicht am Sonnabend gefahren werden. Denn die Fischerwerke legen Wert auf geringe Lagerbestände.

Die Wirtschaftszeitung Produktion und die Managementberatung A.T. Kearney haben den Wettbewerb Fabrik des Jahres 1992 gestartet, als die Studie „Die zweite Revolution in der Automobilindustrie“ auf die Notwendigkeit eines radikalen Umdenkens aufmerksam machte. Die Studie zeigte, wie die Philosophie der schlanken Produktion den japanischen Automobilfirmen einen Wettbewerbsvorteil sicherte und dass die europäischen Hersteller sich anstrengen mussten, um diesen Vorsprung einzuholen.

Damals war klar, dass der Ansatz der schlanken Produktion auch in anderen Industrien anwendbar ist. Der industrieübergreifende Benchmark-Wettbewerb Fabrik des Jahres sollte den Aufholprozess beschleunigen und die Wettbewerbsfähigkeit des Produktionsstandortes Deutschland wieder herstellen.

Seit 1992 haben daran über 1000 Fabriken teilgenommen. Zu den Gewinnern gehört das Who is Who der verarbeitenden Industrie in Deutschland wie das Siemens Gerätewerk in Erlangen (2006), die Robert Bosch GmbH (2007), die Trumpf GmbH & Co. KG in Ditzingen (2002), die Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG in Meerane (2002), Porsche in Stuttgart (1996), Canon in Gießen (1995) und das BMW Werk in Dingolfing (1992).

Über die DIE FABRIK DES JAHRES/GEO
Bereits 1992 startete die Produktion zusammen mit der Unternehmensberatung A.T. Kearney den Benchmark-Wettbewerb „Die Fabrik des Jahres“. Nach acht Jahren kontinuierlicher Verbesserung wurde der Wettbewerb 1999 wesentlich erweitert. Seither wird zusätzlich zur Auszeichnung „Die Fabrik des Jahres” der „GEO Award” (Global Excellence in Operations) verliehen. Während bei der Fabrik des Jahres ausschließlich die Fabrik im Mittelpunkt der Analyse und Bewertung steht, werden beim GEO Award zusätzlich zu der ausgewählten Fabrik die gesamte Wertschöpfungskette und finanzielle Kennzahlen eines Unternehmens oder eines Geschäftsbereiches inklusive der Produktentwicklung betrachtet.

Über Produktion
Produktion – Die Wirtschaftsfachzeitung für die deutsche Industrie – ist der meinungsbildende Titel für die verarbeitende Industrie in Deutschland. Die Kombination aus aktuellen News, tiefgreifenden Analysen und Anwenderberichten aus Technik und Wirtschaft richtet sich an die Produktions- und Unternehmensleitung produktionsnaher Abteilungen von Konstruktion über Einkauf und Logistik bis zum Geschäftsführer und Technik-Vorstand. Die Wirtschaftsfachzeitung Produktion fokussiert sich insbesondere auf Industrie und Business, mit einer großen Bandbreite an branchenübergreifenden Themen. Dank der wöchentlichen Erscheinungsweise ist eine hohe Aktualität garantiert, hinzu kommen sechs Sonderausgaben pro Jahr. Die Produktion erscheint bereits im 47. Jahrgang im verlag moderne industrie GmbH, Landsberg, mit einer Auflage von rund 45.000 Exemplaren (IVW-geprüft). Die Leserschaft findet sich hauptsächlich in kleinen und mittelständischen Betrieben aus den Bereichen Maschinenbau (27,7%) und Herstellung von Metallerzeugnissen (20,0%). Mit dem Benchmark-Wettbewerb „Fabrik des Jahres/GEO“, der Initiative „Pro Standort Deutschland” und dem zusammen mit dem VDMA veranstalteten „Maschinenbaugipfel“ unterstützt die Produktion in Deutschland ansässige Unternehmen.

Ansprechpartner für die Redaktion:

Produktion
Eduard Altmann
Chefredakteur
Justus-von-Liebig-Straße 1
86899 Landsberg
Tel.: 08191 125-681
Fax: 08191 125-312
E-Mail: eduard.altmann@produktion.de
http://www.produktion.de
Süddeutscher Verlag onpact GmbH
Heike-Maria Stilling
Isartalstraße 49
80469 München
Tel.: 089 / 759 003 - 127
Fax: 089 / 759 003 - 10
E-Mail: heike.stilling@sv-onpact.de
http://www.sv-onpact.de
Produktion
Gunnar Knüpffer
Redaktion
Justus-von-Liebig-Str. 1
86899 Landsberg/Lech
Tel.: 08191/125-107
Fax: 08191/125-312
E-Mail: gunnar.knuepffer@produktion.de
Süddeutscher Verlag onpact GmbH
Jörg Sailer
Isartalstraße 49
80469 München
Tel.: 089 / 759 003 - 144
Fax: 089 / 759 003 - 10
E-Mail: joerg.sailer@sv-onpact.de
http://www.sv-onpact.de