Mercedes’ COO Schmückle: Jetzt wird radikal ausgemistet
STUTTGART. Der Chief Operating Officer von Mercedes-Benz Cars, Rainer E. Schmückle, führte auf dem Kongress Fabrik des Jahres aus, wie der Automobilhersteller schnell Kosten senken will, ohne bei der Qualität Abstriche zu machen. Erreicht werden soll das Ziel mit dem Programm ‚Go for ten‘.
von Gunnar Knüpffer
„Wir gehen mit sehr großer Liquidität durch unsere Investprogramme und versuchen sehr genau zu unterscheiden, was wir für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens, für die veränderten Technologien brauchen und wo vielleicht in der Vergangenheit auch das ein oder andere Lieblingsprojekt dabei gewesen ist – und das wird sicherlich jetzt radikal ausgemistet werden“, sagte der Chief Operating Officer von Merdes-Benz Cars, Rainer E. Schmückle, beim Kongress Fabrik des Jahres in Stuttgart.
„Wir müssen auch bei den neuen Technologien schnell mit den Kosten herunterkommen, so dass wir auch diese Technologien – ob es Start-Stopp ist, ob es hybride Zellen sind, ob es Leistungselektronik bei den Fahrzeugen ist oder Elektrobremsen – noch viel schneller auf einen Kostenpfad bringen, der sie auch in der Breite anwendbar macht.“
Mercedes-Benz müsse es schaffen, die technologischen Entwicklungen größtenteils aus dem eigenen Cash-Flow zu finanzieren, betonte Chief Operating Officer Schmückle in seiner Keynote. Es gehe nicht, einfach die Preise zu verdoppeln, und es gehe auch nicht, einfach die Kosten zu halbieren, indem sie die Hälfte der Leute herausschicken, weil Kompetenzen an Bord bleiben müssten.
Derzeit verhandelt die Geschäftsführung von Daimler mit dem Betriebsrat über Einsparungen bei den Personalkosten, die sich auf bis zu zwei Mrd Euro aufsummieren sollen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Demnach soll die Wochenarbeitszeit bei den Mitarbeitern in Forschung und Entwicklung, Einkauf, Vertrieb und Finanzen um bis zu fünf Stunden reduziert werden, die Tariferhöhung soll auf Dezember verschoben werden und auch beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll gespart werden. Bis Ende Juni befinden sich dem Bericht zu Folge bereits 68000 Daimler-Beschäftigte in Kurzarbeit.
Bereits zugestimmt hat der Daimler-Betriebsrat dem Vorhaben, die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter für das Jahr 2008 in Höhe von 280 Mio Euro zu verschieben. Dieser Schritt verbessert die Liquidität des Automobilherstellers, der in diesem Februar 40 % weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat verkaufte.
Kostensenkungen dürften nicht damit bezahlt werden, dass die Qualität der Fahrzeuge schlechter wird, sagte der Chief Operation Officer von Mercedes-Benz Cars Schmückle. „Wir müssen die Effizienz steigern.“ Dafür hätten sie das Core-Programm zur Effizienzsteigerung verlängert und verändert zwischenzeitlich. Dieses heißt nun ‚Go for ten‘. Es sieht vor, dass Mercedes das Produktportfolio und die produktionsfernen Bereiche überprüft, das Eigenkapital reduziert, die Material- und Produktionskosten verringert und den Absatz von jungen gebrauchten PKW steigert.

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