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“Hanchos” steigern die Produktivität

NEIDLINGEN. Ein System mit Teamleitern führte bei Festool dazu, dass die Prozesse standardisiert wurden und das Werk beim Wettbewerb Fabrik des Jahres/GEO siegte. Teilnehmen an dem Wettbewerb 2009 können Werkleiter noch bis 30. Juni hier oder unter Tel. 089/51568986.

von Gunnar Knüpffer

Die Geschäftsführung von Festool war mehrfach in Japan, wo sie sich das Toyota-Produktionssystem bei Rundgängen angeschaut hat. Dort halten Teamleiter, die Hancho heißen, den Werkern den Rücken frei, sind bei Störungen da, helfen den Werkern sich weiterzuentwickeln und betreiben Kaizen. Ein derartiges Konzept wollte Geschäftsführer Thorsten Hartmann auch bei Festool einführen, wobei er den japanischen Namen beibehielt, weil es in dem Unternehmen bereits Teamleiter gibt und die ihre Position auch behalten sollten.

Wie Festool seine Mitarbeiter einbindet und ständige Verbesserungen erzielt, können Teilnehmer beim Workshop Festool intensiv von m.i.c und Produktion am 22. und 23. Juli in Neidlingen erleben. Anmeldungen bei Ricarda Herrmann, Tel. 08191/125 872.

Das Management rekrutierte die Hanchos aus der bisherigen Mannschaft. „Das sind Leute, die produziert haben, und die aus persönlichem Ehrgeiz von einer gewissermaßen monotonen Tätigkeit wegkommen wollten“, sagt Hartmann. Beispielsweise sei eine Mitarbeiterin türkischer Nationalität, die ein Studium als Dolmetscherin absolviert hat, auf dieser Position sehr clever. Andere sind Facharbeiter, die den Schritt in diese Trainings- und Coaching-Rolle getan haben.Die Einführung des Hancho-Systems lief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Zwar akzeptierten die Mitarbeiter an den Linien, dass jemand ein Auge auf sie wirft. Doch Angestellte wie Disponenten und Planer dachten, dass nun für einen Großteil der Arbeit die Hanchos zuständig seien. „Die hatten einen Riesen-Rucksack auf“, sagt Hartmann, „und alle haben ihr Geschäft reingekippt.“ Deshalb musste die Geschäftsführung dafür sorgen, dass diese Praxis zurückgefahren wird. Auch gingen die Veränderungen nicht so schnell, wie es sich die Geschäftsführung vorstellte. Die Mitarbeiter des Werks brauchten mehr Zeit, den Nutzen des Systems zu erkennen, damit umzugehen und die Feinheiten kennenzulernen.

In der Betriebsversammlung stärkte der Geschäftsführer den Hanchos den Rücken. Hartmann machte deutlich, dass die Fachkräfte eine wichtige Management-Rolle im Sinne des Fabrik-Managements haben. In dem Sinne, wie die Mitarbeiter die Prozesse weiterentwickeln.

Ein Jahr später sind die Resultate sichtbar: Hancho und Werker steigern die Produktivität monatlich um mindestens 1 %. Bei einzelnen Bereichen gebe es noch größere Potenziale, sagt Fertigungsleiter Tilo Schwarz. Die Erfolge sehe man auch bei der Qualität und bei indirekt messbaren Größen wie dem Mitarbeitereinsatz. Die Hancho-Arbeit trage wesentlich dazu bei, dass Festool die Prozesse immer weiter standardisiert und die Mitarbeiter die Standards lernen können.

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