Chefs müssen Erwartungen klar artikulieren
OFFENBURG (gk). Tesa-Geschäftsführer Thomas Hochgeschurtz hat eine Businessfabel über einen Berufseinsteiger geschrieben. Produktion-Redakteur Gunnar Knüpffer befragte den Kategoriesieger bei der Fabrik des Jahres/GEO zum Nutzen des Buches für Manager.
Sie beschreiben, wie der Ingenieur Tim sich in einer neuen Firma zurechtfindet. Wie entstand die Idee?
Wenn ich zurückschaue, war das der Tag, an dem mich mein damaliger Vorgesetzter fragte, ob ich ein guter Mitarbeiter sei. Meine Antworten begannen mit „ich glaube“ oder „ich denke“, dann flüchtete ich mich in eine Argumentation über Ziele. Letztlich musste ich in meinem Berufsleben erfahren, dass Zielerfüllung für meine berufliche Entwicklung keine Rolle spielte, sondern alleine die Erfüllung von Erwartungen. Diese Erkenntnis habe ich dann in mein Führungskonzept des Nicht-Technischen Trainings umgesetzt. Mit der Vorstellung des Konzepts auf Veranstaltungen entstanden zahlreiche Anfragen zum Thema. Allein auf dem Kongress Fabrik des Jahres/GEO der Produktion haben mich über 30 Teilnehmer nach tiefer gehendem Material zu meinem Vortrag gefragt. Tatsächlich hatte ich die Struktur zu der Geschichte schon viele Jahre im Kopf, aber leider nicht konsequent realisiert. Mit Hinblick auf den Kongress habe ich mich über Weihnachten an den PC gezwungen und der Geschichte um Tim Simon in einer satirischen Businessfabel Leben eingehaucht. Die Geschichte ist die aller Berufsanfänger, die euphorisch starten, aber schnell von der Realität eingeholt werden. Tim durchlebt die typische Demotivationskarriere, findet aber einen Weg, als Vorgesetzter eines kleinen Teams nicht die gleichen Fehler zu machen. Die Geschichte ist biographisch für alle, die motiviert in den Beruf eingestiegen sind und schnell die Kehrseite unserer Arbeitswelt kennenlernen.
Wie lautet Ihre Botschaft?
Die Kernbotschaft ist: „Jeder Mitarbeiter ist nur so gut, wie er die Erwartungen des Vorgesetzten erfüllt.“ Es gibt zwei simple Ableitungen: Bin ich Vorgesetzter, muss ich meine Erwartungen klar artikulieren; bin ich Mitarbeiter, muss ich die Erwartungen meines Vorgesetzten einfordern. Im Glauben, seiner Firma etwas Gutes zu tun, macht Tim den Fehler aller jungen Führungskräfte. Tatsächlich ändern sich durch einen neuen Vorgesetzten auch die Erwartungen an ihn, was er zu spät bemerkt. Die Konsequenzen sind hart, aber sehr real.
An wen ist es gerichtet?
Zielgruppe sind Führungskräfte, die mit Hilfe des Buches ihre Erwartungen noch klarer formulieren können. Alle Mitarbeiter ohne Führungskompetenz werden sich ebenfalls wiederfinden, so zumindest das Feedback meiner Testleser, die sofort nach einer Fortsetzung gefragt haben. Das Buch bietet aber wesentlich mehr als die Erfahrungen einer jungen Führungskraft. Wer tiefer hineinschaut, findet einen Leitfaden für eine komplette Führungsphilosophie, die zufriedene und motivierte Mitarbeiter hinterlässt. Der wesentliche Unterschied zu anderen Büchern ist der Praxisbezug, der in jeder einzelnen Zeile wiederzufinden ist. Tim ist keine Kunstfigur, sondern schlummert in jedem von uns.
Was können Werkleiter aus Ihrem Buch lernen?
Das Buch zeigt einen nachvollziehbaren Weg, Kennzahlen wie Unfallrate, Reklamationsanzahl und Produktivität nachhaltig ohne Kapitalinvestitionen zu steigern. Dafür hat das tesa-Werk Offenburg den angesprochenen Wettbewerb gewonnen. Viel wichtiger ist es jedoch, eine Führungskultur zu etablieren, die auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt basiert. Besonders in Zeiten der Krise ist ein vertrauensvoller Umgang mit der wichtigsten Ressource im Unternehmen, dem Menschen, notwendig. „Konsequent“ zeigt einen Weg, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Teilnehmen an der Fabrik des Jahres/GEO ´09 können Firmen noch bis zum 30.6., Tel. 089/51568125.
Tags: Fabrik des Jahres, GEO Award, tesa

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