Illustration

Sieger zeichnen sich durch Selbstbewusstsein in der Krise aus

LANDSBERG. Viele der Sieger bei der Fabrik des Jahres/GEO sind sich sicher, als Team mit jeder Art von Krise fertig zu werden. Zum Beispiel P&G Crailsheim und die Lear Corp.

Durch eine sehr hohe Anlagenperformance bei Geschwindigkeit, Durchsatz und Qualität hat das Procter & Gamble-Werk in Crailsheim den Gesamtsieg bei dem Benchmark Fabrik des Jahres/Global Exellence in Operations 2009 errungen.

 von Gunnar Knüpffer

Dies ist jedoch nur ein Grund, den der hochkarätige Beirat des Wettbewerbs von und A.T. Kearney angibt. Das Werk hat ein „außergewöhnliches, von allen Mitarbeitern gelebtes Lean-Produktionssystem mit umfassender Mitarbeiter-Einbeziehung, -Förderung und -Schulung”, teilte der Beirat mit. Crailsheim ist das einzige P&G-Werk außerhalb Chinas, das die höchste Stufe des P&G Integrated Work Systems IWS erreicht hat. Zudem arbeitet Werksleiter Ingo Schimmelpfennig aktiv mit dem Programm IWS Renewal an der Weiterentwicklung des Produktionssystems.
sieger

Mit einer „hervorragenden Integration der Lieferkette und hohem Materialdurchsatz” sicherte sich das Werk der Lear Corporation in Bremen die Auszeichnung ‚Global Excellence in Operations‘. Lear hat keinen Fertigproduktpuffer: Die Produkte gelangen direkt von der Linie auf den Lkw. Dafür sorgt eine Just-in-Sequence-Anbindung an das Mercedes-Werk Bremen. Und trotz eines hohen Materialumschlags wird eine Quote beim Low-Cost-Country-Sourcing von über 90% erreicht.

Erstmals wurde in diesem Jahr bei der Fabrik des Jahres/GEO ein Preis in der Kategorie ‚Hervorragende Ressourceneffizienz‘ vergeben: Das Werk von Bosch Siemens Hausgeräte in Nauen bei Berlin überzeugte in dieser Kategorie mit einem systematischen Ansatz zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Das Management bricht die Ziele bei der Ressourceneffizienz auf Werksebene herunter. Jährlich werden Maßnahmen festgelegt, damit die Abteilungen diese Ziele erreichen, wobei die Schritte quartalsweise verfolgt werden. Der Kategoriesieger hob sich auch von der Konkurrenz ab, indem er konkrete Ressourceneffizienz-Projekte realisierte. So installierte Geschäftsführer Herbert Exler einen Gebäudeleitrechner, mit dem Lichtmanagement betrieben werden kann: zum Beispiel die Dimmung des Lichts während der Pausenzeiten. Der Energieverbrauch bei der Pneumatik wurde in Nauen durch einen geregelten Schraubenkompressor reduziert. Und der Verbrauch des Prüfwassers wurde mit einem Wasserkreislauf um 75% verringert.

„Energie-Effizienz und Ressourceneffizienz ist ein Thema, mit dem sich alle Unternehmen beschäftigen”, sagt Dr. Günter Jordan, Partner bei A.T. Kearney und Beiratsmitglied. „Allerdings ist dies nur bei wenigen Unternehmen ein kritischer Kostenblock.” Viele Unternehmen lebten hier ihre gesellschaftliche Verantwortung und adressierten dieses Thema aufgrund seiner grundsätzlichen Bedeutung. Natürlich sollten alle Investitionen in Energie- und Ressourceneffizienz auch wirtschaftlich sein, aber teilweise würden andere Maßstäbe an die Investitionsrechnung angelegt als bei Investitionen in Produktionsmittel. Und der Projektleiter für die Fabrik des Jahres bei A. T. Kearney, Dr. Bernd Schmidt, ergänzt: „Auch hier gibt es aber eine klare Spitzengruppe von Unternehmen, die das Thema durchgängig adressiert.” Dort seien die Ziele in Unternehmensleitlinien verankert und würden in Zielsysteme sauber auf Werke und Abteilungen heruntergebrochen.

Weitere Kategoriesieger sind:

Agfa Gaevert in Peißenberg, das für die beste Montage ausgezeichnet wird, B. Braun Melsungen im schweizerischen Escholzmatt, das für seine ‚Hervorragende Standortentwicklung‘ geehrt wird, und Volkswagen Sachsen, dessen ‚Hervorragendes Innovationsmanagement‘ honoriert wird. Hinzu kommen noch das Robert Bosch Werk in Feuerbach, das in der Kategorie ‚Hervorragendes Veränderungsmanagement‘ siegt, und das ungarische Werk von Henkel in Körösladány, das für seine ‚Hervorragende Produktion in EU-Beitrittsländern‘ geehrt wird.

„Viele der besten Fabriken in dem Wettbewerb sind relativ „krisenfest”, resümiert Dr. Jordan. „Auch sie haben in der derzeitigen Marktlage große Herausforderungen zu bewältigen, aber sie haben in der Regel schnell und energisch reagiert.” Viele der Sieger zeichne ein Selbstbewusstsein aus, als Team mit jeder Art von Krise fertig zu werden. Viele der wirklich guten Fabriken seien auch schon einmal durch schwierige Zeiten hindurch gegangen.

Nach Ansicht von Dr. Schmidt müssen sich die Firmen mit zwei Themen beschäftigen: „Auf der einen Seite steht nach wie vor ein rigoroses Kostenmanagement im Vordergrund, um auch bei niedrigeren Absatzzahlen profitabel operieren zu können. Dazu wird auch das Anpassen von Personalkapazität gehören.” Andererseits gelte es auch, die Chancen zu nutzen, um gestärkt aus der Krise herauszukommen. Dazu gehöre es, Markt und Wettbewerber genau zu beobachten, aber auch die eigene strategische Positionierung zu überdenken.

Tags: , ,