Deutsche Industrie-Elite: Wir sind der Aufschwung
Die Sieger bei der Fabrik des Jahres/GEO haben die Krise fantasievoll bewältigt und profitieren jetzt von steigenden Auftragszahlen.
von Gunnar Knüpffer
LANDSBERG. Die geleisteten Vorarbeiten haben es den Siegern bei der Fabrik des Jahres/GEO 2009 ermöglicht, die Krise zu meistern und ihre Marktposition zu sichern. So scheint die Wirtschaftskrise B. Braun Melsungen bisher nichts anhaben zu können; am Standort Escholzmatt spricht man vom “bisher besten Geschäftsjahr”. Sowohl Umsatz wie auch Reingewinn erreichen Höchstwerte. Mit den Firmenwerten Innovation, Effizienz und Nachhaltigkeit, kombiniert mit der Lean-Philosophie, will das Management dafür sorgen, dass das Werk im globalen Wettbewerb auch in den komenden Jahren schwarze Zahlen schreibt. Die Manager sehen die weitere Entwicklung des Standortes sehr positiv. Denn in den bestehenden Märkten konnte der Sieger in der Kategorie “Hervorragende Standortsicherung” die Marktanteile halten und weiter ausbauen. Zudem entwickeln sich neue Märkte vor allem in Osteuropa und Asien positiv.
Auch das Volkswagen Sachsen Motorenwerk, Chemnitz, setzt auf Innovationen, um sich eine besondere Stellung innerhalb des auch in der Krise erfolgreichen Volkswagen-Konzerns zu erarbeiten. Das Werk ist mit der Produktion von Ausgleichswellengetrieben bereits Exklusivlieferant im Konzernverbund. Hinzu kommt am Standort nun ein neues Produkt, ein monolithisches Haubenmodul, das „unserem Unternehmen langfristig einen wichtigen Wettbewerbsvorteil sichert“, wie Professor Werner Neubauer, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen für den Bereich Komponente, sagte.
Beim Gesamtsieger Procter & Gamble, Crailsheim, führte eine konsequente Mitarbeiterorientierung dazu, dass die Mitarbeiter sich in der Krise an die Geschäftsleitung wandten, um Verbesserungen vorzuschlagen. “Als unser Volumen im letzten Jahr um fast 13 % eingebrochen ist, waren beinahe täglich Mitarbeiter bei mir, die konkrete Vorschläge und Ideen hatten, wie wir uns besser anpassen können, um trotzdem unsere Produktivität und die damit verbundenen Kosteneinsparungen zu liefern”, sagte Christian Kral, verantwortlich am Standort für die ‘Always’-Produktion sowie die werksweite Produktionsplanung. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen entschied sich P&G Anfang 2009 dafür, das Warenverteilzen-trum nicht an externe Anbieter zu vergeben, sondern am Standort Crailsheim zu errichten. Fast 20 Mio Euro wurden in einen Neubau von Lager- und Kommissionierhallen investiert, die über 22 000 Palettenplätze verfügen. Von Crailsheim werden künftig kundenspezifische Displayverpackungen und gemischte Verkaufseinheiten an die Handelspartner in Süddeutschland geliefert.
Bosch Siemens Hausgeräte, Nauen, begegnete den Absatzeinbußen im ersten Halbjahr mit dem Streichen von Schichten, dem Abbau von Stundenkonten und mit hochflexiblen Schichtmodellen mit Zeitarbeitnehmern. Als BSH in der zweiten Jahreshälfte eine Trendwende zum Positiven verspürte, handelte das Unternehmen kundenorientiert und realisierte kurzfristig eine 7-Tage-Woche im Drei-Schichten-Betrieb.
Robert Bosch, Feuerbach, baute negative Zeitkonten für die Mitarbeiter auf, reduzierte die wöchentliche Arbeitszeit für Tarifmitarbeiter um zwei Stunden und führte bei der Produktion mehrerer Erzeugnisse Kurzarbeit ein. Zudem wurden die Bestände um ein Drittel reduziert und bestimmte Dienstleistungen wieder ins Unternehmen zurückgeholt. Ferner sparte das Unternehmen Energie, indem an Schließtagen die Maschinen und Anlagen abgeschaltet wurden. Agfa Gevaert Healthcare in Peißenberg konnte dagegen mit seinem Produktionssystem ganz ohne Kurzarbeit die Wirtschaftskrise überwinden. Innerhalb von kurzen Lieferzeiten stellt das Werk jetzt trotz nahezu Null-Bestand an Fertigwaren seine Kunden im gerade einsetzenden Auftragsanstieg zufrieden.

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